Biodynamik in China: Interview mit Thomas Lüthi

Biodynamik in China: Interview mit Thomas Lüthi

Der Ehrenpräsident von Demeter International, ehemalige Gärtner und Ausbilder für biodynamischen Landbau in Järna, Thomas Lüthi, hat eine besondere Beziehung zu Demeter in China seit der Sonnenfinsternis 2009, die er dort erlebte, als er um einen Vortrag zur Landwirtschaft gebeten wurde.

Wie steht es um die biodynamische Landwirtschaft in China?

Im Moment gibt es nur acht demeterzertifizierte Höfe, aber das Interesse ist weit grösser, gerade wegen Fragen der Umwelt- und Lebensmittelqualität. Auch die Zukunft der Erde ist ein Aspekt, der für Chinesen sehr relevant ist. Ihre Initiativkraft erstaunt mich immer wieder. Der Weg von der Idee zur Handlung ist in China sehr kurz. 2018 wurde der ‹Landwirtschaftliche Kurs› auf Chinesisch übersetzt, mit 5000 Exemplaren gedruckt und mehrere Waldorfschulen erhielten es gratis. Jetzt arbeitet man an der Übersetzung der Bienenvorträge.

Spielen kulturelle Unterschiede eine Rolle bei der Verbreitung von Demeter weltweit?

In der Biodynamik sind Wiederkäuer beispielsweise sehr wichtig, kommen aber in China kulturell und traditionell weniger vor. Wie kann da die biodynamische Landwirtschaft angepasst werden? Das ist eine Forschungsfrage.

Auch in Bezug auf die sozialen Aspekte vom Land-Wirtschaften bringt jedes Land andere Voraussetzungen mit. In China gehört der Boden dem Staat. Wir können nicht hingehen und sagen, sie sollen Land freikaufen. Die Initiativen dafür müssen aus der jeweiligen Kultur selbst erwachsen. Durch eine internationale Vernetzung kann man voneinander lernen.

Worauf muss man verzichten, um zu einer nachhaltigen Land-Wirtschaft zu kommen?

Viele Chinesen verzichten sehr bereitwillig, weil sie einsehen, dass es besser für die Welt ist. Ihre Umweltproblematik ist auch durch unser ‹Billigkonsumbedürfnis› verursacht und damit auch unser Problem. Vielleicht muss man auf einen kleinen Teil seiner ‹Aufmerksamkeit auf sich selbst› verzichten, diese freigeben für andere Menschen und für die Natur.

Das Gespräch führte Gilda Rhien.

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