Saturnentwicklung

Saturnentwicklung

Am 23. Juni zeigt Euchore-Eurythmie-Ensemble die Saturnentwicklung von Annemarie Dubach-Donath am Goetheanum.


Es fällt schwer, sich einen Zustand vorzustellen, in dem rein gar nichts von dem, was die Sinne uns vermitteln, wahrnehmbar ist. Das Einzige, was dann noch da wäre, wäre der Mensch selbst in seinem inneren Wesen. Ohne Vorstellungen und Empfindungen der Sinneswelt und ohne die Erfahrung von Raum und Zeit würde unserem Erleben der Boden unter den Füßen weggezogen: Ein Gefühl von Schwindel und Angst müsste uns ergreifen.

Rudolf Steiner bringt in ‹Die Evolution vom Gesichtspunkt des Wahrhaftigen› (GA 132) dieses Gefühl in Zusammenhang mit dem Zustand, den wir auf dem alten Saturn erleben würden. Gerade auch in der heutigen Zeit, in der wir so viel Unwahres und Irreales durch die digitale Welt erleben, können wir gut nachvollziehen, wie wir als Menschen einen festen inneren Kern, etwas Mutähnliches, finden müssen, um gegenüber dieser Leere zu bestehen, die uns sonst in einen schlafähnlichen Zustand versinken lassen würde.

Der alte Saturn war erfüllt mit Wesen, die rein aus Mut, aus Wärme bestanden, einem «wogenden Meer des Mutes» (Rudolf Steiner). Diese Wesen opferten sich selbst, ihre eigene Wesenheit, ihre Wärme an höhere Wesenheiten. Diese Imaginationen und Bilder begeisterten die junge Eurythmistin Annemarie Dubach-Donath (1895–1972). Nach 35 Jahren inneren Ringens und Bewegens schuf sie spezifische neue eurythmische Gebärden, die die Bilder des alten Saturn lebendig erstehen lassen. In der Zusammenarbeit mit dem Musiker, Komponisten und Eurythmisten Josef Gunzinger (1920–1989) entstand die ‹Sinfonische Entwicklung, Saturn-Stimmung› für großes Orchester. Sie wurde eurythmisch-musikalisch am 29. Juli 1955 uraufgeführt. Lili Reinitzer (1928–2017) konnte sich mit dem künstlerischen Impuls von Annemarie Dubach-Donath schon als deren Schülerin innig verbinden. Sie sorgte dafür – nicht zuletzt durch das von ihr gegründete Ensemble Euchore –, dass auch nach ihrem Tod dieses Erbe nicht verloren ging. Was über Jahrzehnte von leitenden Individualitäten getragen wurde, liegt heute in der sozialen Verantwortung einer Gruppe von Eurythmistinnen.


Aufführungen mit Klavierfassung 23. Juni 2019, 19 Uhr, Goetheanum (Einführung: Johannes Greiner), 16. November 2019, Waldorfschule Berlin-Dahlem (Vortrag: Peter Selg), 9. Mai 2020, Goetheanum (während der Tagung zum 100. Geburtstag von Josef Gunzinger)

Kontakt Euchore Eurythmie Verein, Dorneckstraße 6, 4143 Dornach, Schweiz, info@euchore.ch

Foto: Eurythmie-Ensemble Euchore (Foto aus dem Veranstaltungsflyer)

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