Hüten statt domestizieren

Hüten statt domestizieren

Seit April sind neben den Schafen auch wieder Kühe auf dem Gelände des Goetheanum-Parks.


Am 23. April wurden die letzten Lämmer als Zwillinge geboren. Erstmals trächtig waren die Junglämmer des Vorjahres, Mijou und Fina. Insgesamt kümmern sich jetzt sieben Mutterschafe um neun Lämmer (sechs Böcke und drei Zibben). Mittendrin: Paul Pieterse. Er ist seitens der Goetheanum-Gärtnerei für die Tiere zuständig. «Mir ist wichtig, dass Tiere Tier sein können», sagt er. Es gelte, ein Gleichgewicht zwischen Hüten und Freilassen zu finden. «Ich entwickle eine Beziehung zu den Tieren, dränge mich ihnen aber nicht auf.» Wie wichtig für die Tiere diese Beziehung ist, zeigte sich, als er 2018 ein paar Wochen abwesend war – die Herde wurde unruhig, insbesondere die Böcke rissen aus. «Wenn ich jeden Tag bei ihnen bin, beruhigt das die Tiere.» Und er ergänzt: «Ich hüte, aber ich domestiziere die Tiere nicht.»

Die Schafe bleiben das ganze Jahr über auf dem Gelände. Wegen des trockenen Sommers musste für die Verpflegung im Winter Heu zugekauft werden. Die kleine Kuhherde dagegen überwintert auf dem Hof Untere Tüfleten. Doch seit April grasen wieder drei trächtige Mutterkühe und drei Kälber auf den Goetheanum-Weiden.

Für Paul Pieterse bietet die Tierhaltung am Goetheanum eine Besonderheit: Er kann eine Herde über zwei Generationen beobachten. Die Kälber emanzipieren sich von ihren Müttern, sie probieren mehr Freiheit aus, seien ein wenig wie eine «Mädchengang». Das gemeinsame Weiden auf den Wiesen führt zu einem von der Herde gebildeten Neuen, «einer Art Familie», formuliert Paul Pieterse vorsichtig.

Ob Lämmer oder Kühe – die Besucherinnen und Besucher des Goetheanum-Parks schätzen die Tiere. «Einige», verrät der Tierbetreuer, «kennen die Kühe sogar mit ihrem Namen.»


Mehr: www.gaertnerei.goetheanum.org

Bild: Paul Pieterse mit Schafen, Sebastian Jüngel

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Gillian Shoemaker

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