Ermöglichen eines freien Spiels der Kräfte

Ermöglichen eines freien Spiels der Kräfte

Am 4. und 5. April befassten sich anthroposophische Medienschaffende bei ihrem Halbjahrestreffen Kopra am Goetheanum mit der Tatsache unterschiedlicher Beurteilungsgrundlagen und der Ohnmacht gegenüber Empörungsspiralen.


Öffentlichkeitsarbeit kennt das Ansprechen verschiedener Zielgruppen oder Rollen eines Menschen mit je unterschiedlichen Kriterien. Wer das Goetheanum unter dem Gesichtspunkt eines Ortes der Würde betrachtet, hat andere Beurteilungsgrundlagen als jemand, der auf das Goetheanum als weltoffenes Haus blickt. Statt diese Werte als gegensätzlich anzusehen, war ein Schlüssel zum Verständnis, zu untersuchen, auf welcher Ebene welche Wirk- und Beurteilungsgrundlagen gelten, etwa wenn man einen Menschen als ‹Freund› im Geistesleben, als ‹Mitglied› im Rechtsleben und als ‹Kunde› im Wirtschaftsleben – mit den jeweiligen Gesetzmäßigkeiten – anspricht.

Beispiel einer Best Pratice ist die öffentliche Fundraisingkampagne ‹Fonds Goetheanum›. Die Anthroposophische Gesellschaft in der Schweiz wirbt damit nicht für sich Gelder ein, sondern für ein Lebensgebiet und die mit ihm zusammenhängende Sektion am Goetheanum. Dass – nach mehrjähriger Überzeugungsarbeit und Durchtragekraft – ein finanzieller Ertrag erwirtschaftet wird, wurde von Medienschaffenden darauf zurückgeführt, dass hier ehrlich und mit lauterer Haltung über ein Gebiet informiert und nicht dafür geworben wird. So gesehen war ein weiteres Ergebnis: Haltung wirkt.

Ratlos blickten die Teilnehmenden der Kopra auf das Phänomen der Empörungsspirale, der gegenüber die eigene innere Haltung wie Offenheit nicht wirksam ist. Ein Merkmal von Empörungsspiralen ist, dass von Ereignissen nur Teile dargestellt werden, etwa der Zusammenhang fehlt, dass der Eindruck von vermeintlichen Absichten eines anderen vermittelt wird und dass nach einer Phase des Austauschs keine Entwicklung im Erkenntnisprozess feststellbar ist, vielmehr in der Regel ein Urteil in der Art gefällt wird: «Man darf das so nicht tun oder sehen.» Im Medienwesen bleibt die Aufgabe, gegebenenfalls eine Vielfalt der Positionen abzubilden, ohne dass eine vollständige und umfassende Dokumentation aller Auffassungen eingefordert werden kann, dass aber auch das systematische Ausschließen von Sichten problematisch ist. Dieses freie Spiel der Kräfte – mit dem Risiko, nicht gehört zu werden – wurde im Kreis der Kopra als gefährdet erlebt.


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