Was uns ernährt 1: Stoffe

Wir neigen dazu, Nahrungsmittel auf Inhaltsstoffe zu reduzieren, obwohl es um die Kräfte geht, die ein Lebensmittel enthält.


Wir trinken grünen Tee und essen rote Beeren wegen der Polyphenole, geben Chia-Samen zu Brot und Smoothie wegen der Mineralstoffe und Vitamine und verwenden Kurkuma wegen der positiven Wirkungen des Curcumins. So ertappen wir uns dabei, wie wir Nahrungsmittel auf Inhaltsstoffe reduzieren. Nehmen wir die Nährstoffempfehlung für die tägliche Kost, rühren 72 Gramm Eiweiß, 66 Gramm Fett, 264 Gramm Kohlenhydrate mit 2,5 Litern Wasser zusammen und geben etwas Ballast- und Mineralstoffe sowie Vitamine und Aromen dazu, sind wir angeblich ausreichend ernährt. Aber wir haben einen halbflüssigen Brei und kein Lebensmittel erhalten. Das ernährt uns nicht!

Für Angelus Silesius war es selbstverständlich: «Das Brot ernährt uns nicht, was uns im Brote speist, ist Gottes ewiges Wort, ist Leben und ist Geist.» Was uns wirklich ernährt, sind die Kräfte, die ein Lebensmittel enthält und die den Körper in Regsamkeit bringen, nicht die Stoffe, so Rudolf Steiner im Landwirtschaftlichen Kurs von 1924 (vierter Vortrag). Ahriman will, dass wir uns dem Stoff und damit ihm verschreiben. Wir folgen ihm, wenn wir in der täglichen Ernährung die Entscheidung über gesunde Kost allein von Inhaltsstoffen abhängig machen. Die innere Aktivität, die Lebendigkeit und die Kräfte sind unerlässlich, damit wir uns als Mensch angeregt fühlen und uns in Freiheit entwickeln können.

Christoph Andreas Lindenberg: Verneigung

Tonaufnahmen Sinfonieorchester Basel