Christoph Andreas Lindenberg: Verneigung

Er wird jetzt 86 Jahre alt, zögert aber keine Sekunde, tief in die Hocke zu gehen, um gebückt in dem Modell des Ersten Goe­theanum einen Eindruck vom Saal zu bekommen.


Christoph Andreas Lindenberg ist Musiktherapeut und Komponist aus den Vereinigten Staaten und besucht mit seiner Frau Norma, wie er sagt, ein letztes Mal das Goetheanum. Er wechselt ständig vom Amerikanischen ins Deutsche und zurück. Ob Menschheitsrepräsentant, Rudolf Steiners Hochatelier oder Rotes Fenster, er nickt bei vielem, was er sieht, und man spürt, dass er innere Bilder von all den Formen und Bildnissen, über ein halbes Jahrhundert gewachsen, in sich trägt. Mit Karl König, so erzählt er, habe er in Schottland die Heilpädagogik mit aufgebaut, wobei sein Schwerpunkt immer die Musik war. Das führte auch dazu, dass er vor einigen Jahren eine Ausbildung für Musiktherapie in den Vereinigten Staaten, die Dorian School, durchführte. Beim Gespräch in der Wandelhalle holt er ein Inhaltsverzeichnis für drei geplante Bücher aus der Tasche. Er will in den nächsten Jahren aufschreiben, worauf es in der Musiktherapieausbildung ankomme. Leider kann ich ihm nicht ganz folgen, als er mir seine Forschungen zum Quintenzirkel auf einem Papier skizziert. Christoph-Andreas Lindenberg hat sich bei unserem Gang durchs Goetheanum an vielen Stellen still verneigt. Ich denke, es geschieht auch umgekehrt. Das Goetheanum verneigt sich vor diesem reichen anthroposophischen Leben.

Niklaus Schär: Brüderlichkeit

Was uns ernährt 1: Stoffe