Architektur ohne Namen

Architektur ohne Namen

Vom 10. bis zum 13. Mai versammelten sich etwa 60 Architekten, um sich an einem von der Sektion für Bildende Künste veranstalteten Symposium über die Aktualität der organischen Architektur auszutauschen.


Was für einen Namen sollte sie haben: Anthroposophische Architektur? Organische Architektur oder organisch-lebendige Architektur? Goetheanische Architektur? Michaelische Architektur? Auferstehungsarchitektur? Spiritueller Funktionalismus? Oder ist es besser, dass sie keinen Namen hat, damit die Verschiedenheit und Entwicklung des Bauimpulses anthroposophisch inspirierter Architekten überhaupt möglich bleibt? Diese Identitätsfrage war zentral in dem gemeinsamen Vertiefen und Nachsinnen dieser Gemeinschaft von Architekten, die durch die Sektion zusammenkam. Auch die Frage, wieso Bauherren, die nah an der Anthroposophie sind, sich immer weniger an anthroposophische Architekten wenden, hat die Debatten geprägt. Gibt es da eine Angst, von einer Form, von einem Stil überfahren zu werden, da, wo man sich bei anderen Architekten besser aufgehoben fühlt? Vielleicht gibt es dort Entwicklungsmöglichkeiten, wo der Architekt dank einer Arbeit sowohl auf sich selbst als auch auf sein Verständnis des Bauherren mehr und mehr eine jeweils neue, einzigartige Beziehung aufbauen kann, ohne feststehende Vorstellung über das Gebäude, das daraus entstehen soll. Neben Bauintuition, Baufantasie und Bautechnik, die die zentralen Fachkompetenzen der Architekten darstellen, sollte hier eine Pflege der menschlichen Intuition entwickelt werden. Dabei wäre der Stil auch kein äußeres Merkmal mehr einer ‹anthroposophischen Architektur›, sondern eher eine Art der bewussten und offenen Haltung, als Architekt in einen kreativen Prozess mit dem Bauherren einzutreten. Dass der Architekt nicht nur seine Kunst, sondern auch sich selbst entwickeln muss, wurde in Workshops praktisch umgesetzt, darunter Eurythmie und Bothmer-Gymnastik. Die Einsicht, dass die Gesetzmäßigkeiten des eigenen Körpers beim architektonischen Entwurf entscheidend und nicht mit einer externen digitalen Technologie zu ersetzen sind, wurde dabei erlebbar.


Die Sterne Europas

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Andreas Heertsch: Sprachbewusstsein

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