Das Lukasevangelium

Das Lukasevangelium

Von 9. bis 11. November geht es bei der Studientagung der Sektion für Schöne Wissenschaften um das Lukasevangelium und Rudolf Steiners Forschungen dazu.


Rudolf Steiners Vorträge über das Lukasevangelium von 15. bis 26. September 1909 sind ein wesentlicher Schritt in der Erforschung der geistigen Grundlagen der Inkarnation des Jesus von Nazareth. Sie beleuchten die in den Evangelien dargestellten Inhalte aus der geisteswissenschaftlichen Perspektive der Akashachronik und machen die Ereignisse in einem großen menschheitsgeschichtlichen Zusammenhang verstehbar. Rudolf Steiner führt seinen in ‹Das Christentum als mystische Tatsache› begonnenen Forschungsansatz, das Christentum als eine Weiterentwicklung aus den alten Mysterien zu verstehen, weiter. Es werden die beiden mit Buddha und Zarathustra verbundenen Geistesströmungen geschildert und dargelegt, wie sie die Voraussetzung für die Inkarnation des Jesus bilden: Um den Logos, den umfassenden Christus-Geist, in der Gestalt des Jesus Mensch werden zu lassen, waren zwei Menschen nötig: der geistige Jesus des Matthäusevangeliums, verbunden mit der Zarathustra-Individualität, und der zutiefst menschliche Jesus des Lukasevangeliums, verbunden mit der Buddha-Individualität. Die beiden unterschiedlichen Kindheitsgeschichten des Lukas- und des Matthäusevangeliums erhellen sich vor diesem Hintergrund; für den Verstand zunächst Widersprüchliches wird in seinen tieferen Dimensionen sichtbar.

  1. Die Tugenden von Mitleid und Liebe erfahren durch Christus eine Vertiefung, indem sie sich in seinem Handeln unmittelbar darleben. Dass die Lehren von Mitleid und Liebe durch Buddha überhaupt erst ermöglicht wurden, lässt ahnen, warum Rudolf Steiner den achtgliedrigen Pfad, den Buddha lehrte, in verwandelter Form in den anthroposophischen Schulungsweg mit aufgenommen hat. Anders als zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als der Buddhismus in der breiteren Öffentlichkeit noch wenig bekannt war, ist heute die aus dem Buddhismus hervorgegangene Achtsamkeitskultur weit verbreitet. Rudolf Steiners Forschungen zum Lukasevangelium können hier zum Verständnis beitragen. Berührend ist, dass sich der Bezug des Lukasevangeliums zum achtgliedrigen Pfad, wie Christoph Rau gezeigt hat, auch in der Textgestalt dieses Evangeliums wiederfinden lässt.


Studientagung der Sektion für Schöne Wissenschaften ‹Das Lukasevangelium›, 9. bis 11. November 2018, Goetheanum. Mit Michael Debus, Corinna Gleide, Christiane Haid, Stefan Hasler, Wolf-Ulrich Klünker und Mechtild Oltmann
www.goetheanum.org/tagungendas-lukas-evangelium

Bild: Christiane Haid

Verlorene Heimat

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Änder Schanck: Blitzenden Augenwinkel

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