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Ausgabe 10 · 9. März 2018

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Ausgabe 10 · 9. März 2018
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Wenn zwei sich finden

Die Tochter seines Freundes fragte ihn, wer sein bester Freund sei, und er antwortete: «Dein Vater». Das war eine kurze Erzählung von Bodo von Plato, und es waren Worte, die dem wöchentlichen Gesprächskreis zum Thema ‹Freundschaft› einen Goldgrund gaben, auf dem dann andere ihre Bilder von Freundschaft entwarfen.

Wenn es um Freundschaft geht, dann muss die Sprache einfach sein, muss man ungeschützt von sich selbst sprechen. Dass er so durch Sprache dem Gedanken Licht schenkt, ihn greif- und begreifbar macht, das ist die Gabe Bodo von Platos. Dass Meditation dort beginnt, wo Ruhe in Stille, wo Bekanntschaft in Freundschaft übergeht, gehört zu seinen Sprachgedanken. Wo so die Idee ins Weltliche rückt, da kommt in die Welt das Schöne. Und jeder Künstler weiß davon, dass, wer den Schlüssel zum Schönen in der Hand hält, gefährdet ist, selbst zu sehr ins Licht zu geraten.

Wie anders sein Mitstreiter. Wenn jemand die Sache trifft, legt Paul Mackay den Kopf zwischen die Schultern und neigt die Stirn. Sein Schmunzeln zeigt, dass er nicht in eigene Gedanken wechselt, sondern im Hörraum bleibt. Als er ans Goetheanum kam, stand er nachts in der Sternwarte und folgte dem Blick auf Jupiter und Andromedanebel. Später hörte ich, dass er genauso in Wäscherei und Schneiderei zu Gast war. In ihm seien zwei Seelen, hat Nana Göbel formuliert: ein erfahrener Stratege, der sein Terrain kennt, und ein junger Idealist, immer unterwegs. Tatsächlich, wenn Paul Mackay vom Innern einer Sache zu sprechen hat, greift er zu Bildern seiner Jugend. So persönlich diese Seite, so verschwiegen die andere, bei der die Wärme schwer an die Oberfläche dringt. Die Sanierung der Weleda hat ihn um Jahre verjüngt, vielleicht, weil dort die Seiten beisammen waren.

Es gäbe Gründe dafür, dass beide aneinander vorbeigehen, auch äußere: Der eine bleibt auch in Eile im Schritt, den anderen sieht man oft zum Goetheanum stürmen. Und doch rudern sie zu zweit ein Boot – eine Gnade für sie, ein Glück für den Umkreis. Denn vieles wächst, wenn zwei zusammenfinden, wenn der Weltgeist die Abstoßung aufhebt und in Anziehung dreht. Die Alanus-Hochschule blüht, weil Jost Schieren und Marcello DaVeiga zusammengefunden haben. Sergej Prokofieff und Peter Selg, Virginea Sease und Manfred Schmidt-Brabant, Ursula Ostermai und Agnes Zehnter: durch den Weg zu zweit wird aus einer Geraden ein Feld. Es überrascht nicht, dass das Sternbild der Zwillinge am höchsten steht. Es sind die Dioskuren, die Halb- und Zwillingsbrüder Kastor und Polydeukes, die verschieden und doch verwandt für- und miteinander sind. Ich wünsche mir eine Anthroposophische Gesellschaft, in der wir die Lichtbögen, die solche Menschenpole spannen, verstehen und schützen lernen.

Wolfgang Held